Editorial
RADIKAL SOZIAL lautete das Thema der diesjährigen
Jahrestagung der Dramaturgischen Gesellschaft, die
vom 20. bis zum 22. Januar 2006 im Haus der Berliner
Festspiele stattfand. Um alle Missverständnisse
aus dem Weg zu räumen: Wir glauben nicht, dass
Dramaturgen besonders radikal oder sozial sind, und
auch zur Beschreibung des Theaters würden wir
sicherlich zuerst andere Begriffe heranziehen. „Radikal
sozial“ war – und ist – für
uns vor allem eine Aufforderung, ein Wunsch, vielleicht
eine Irritation und sicherlich eine Anregung, anders
über unseren Beruf und unseren Arbeitsgegenstand
nachzudenken: Die kontroversen Debatten, die der Titel
bereits im Vorfeld der Tagung entfachte, und das Echo
u.a. in „Theater heute“ und „Theater
der Zeit“ belegen, dass wir mit unserer Themenwahl
einen Nerv getroffen haben.
Die Formulierung „radikal sozial“ haben
wir uns von dem Soziologen Dirk Baecker ausgeborgt,
der unsere Tagung eröffnete. Auszüge aus
seinem Vortrag sowie eine Auswahl von Beiträgen
der anderen Referenten und Diskussionsteilnehmer haben
wir in diesem Heft für Sie zusammengestellt.
Wir hoffen, dass damit die auf unserer Tagung begonnene
Debatte über die Möglichkeiten von Theater
als Instrument und Ort, mit und an dem das „Soziale“
erforscht werden kann, neue Nahrung erhält.
Neben der Konzentration auf das Thema „radikal
sozial“ haben wir auch mit der Struktur der
Tagung neue Akzente gesetzt. In kleineren Arbeitsgruppen
und Workshops sowie mit neuen Formaten der Informationsvermittlung,
wie etwa dem „Schwarzmarkt für nützliches
Wissen und Nicht-Wissen“, ist es uns gelungen,
zahlreiche Facetten unsere Themas aus verschiedenen
Blickwinkeln zu untersuchen. Dass dabei nicht immer
genügend Raum für Diskussion gegeben war
und nicht alle Themen mit der notwendigen Gründlichkeit
behandelt werden konnten, mag uns nachgesehen werden.
Der erfreulich große Zuspruch zur Tagung, die
erregten Debatten und die überwiegend positive
Resonanz haben uns jedenfalls ermutigt, den eingeschlagenen
Weg fortzusetzen.
Wir möchten an dieser Stelle nicht versäumen,
uns bei unseren Gastgebern, den Berliner Festspielen
und ihren Mitarbeitern, bei unseren Geldgebern, dem
Hauptstadtkulturfonds und dem Landesverband Berlin
des Deutschen Bühnenvereins, die auch die Publikation
dieser Dokumentation ermöglicht haben, bei allen
Referentinnen und Referenten und natürlich bei
all denjenigen, die uns bei der Vorbereitung und Durchführung
der Tagung unterstützt haben, herzlich zu bedanken.
Nach der Tagung ist immer auch vor der Tagung. Noch
am Abend des 22. Januar hat der Vorstand wieder die
Köpfe zusammengesteckt und darüber beraten,
welches Thema wir für unsere nächste Jahrestagung,
die Anfang Februar 2007 am Theater der Stadt Heidelberg
stattfinden wird, wählen sollten. Eine erste
Information dazu finden Sie auf Seite 40.
Stärker als in den vergangenen Jahren - und
nicht nur während der Jahrestagungen - wird die
Dramaturgische Gesellschaft zukünftig Akzente
in der Theaterlandschaft zu setzen versuchen. Unsere
Beteiligung am Heidelberger Stückemarkt, am Internationalen
Forum im Rahmen des Berliner Theatertreffens oder
am Festival „Neue Stücke aus Europa“
in Wiesbaden sind nur der Anfang. Und stärker
als bisher suchen wir auch den Kontakt mit Ihnen,
den Mitgliedern, und mit denjenigen, die noch nicht
Mitglied sind, es aber dringend werden sollten. Die
Dramaturgische Gesellschaft kann nur dann ein Ort
der lebendigen Debatte und des Gedankenaustauschs
bleiben, wenn Sie sich aktiv daran beteiligen. Gemeinsam
mit Ihnen wollen wir die Themen diskutieren, die für
unsere tägliche Arbeit, aber auch über das
Tagesgeschäft hinaus von Interesse sind. Dazu
gehört auch ein aktueller Newsletter, den wir
per Mail an alle Mitglieder versenden. Fragen, Anregungen,
Wünsche und Ihren Antrag auf Mitgliedschaft schicken
Sie am besten gleich an: post@dramaturgische-gesellschaft.de!
Wir freuen uns auf Ihr Feedback!
Der Vorstand und die Geschäftsführerin
der Dramaturgischen Gesellschaft