Linz 2015

Was alle angeht. Oder: was ist (heute) populär?

Unter dem Titel „Was alle angeht. Oder: Was ist (heute) populär?“ fand vom 29.01. – 01.02.2015 in Linz die diesjährige Jahrestagung der Dramaturgischen Gesellschaft statt. Gastgeber war das Landestheater Linz, Kooperationspartner das Ars Electronica Center und die Kunstuniversität Linz. An der Konferenz nahmen über 200 DramaturgInnen, RegisseurInnen und PerformerInnen sowie ReferentInnen aus der Theaterpraxis, der Philosophie sowie den Theater-, Kultur- und Sozialwissenschaften teil.

Darüber, dass die Gegenüberstellung verschiedener Kategorien wie „Pop“ und „Hochkultur“, die ursprünglich auf soziale Abgrenzungsversuche zurückzuführen ist, heute unbrauchbar ist, entstand schnell Einigkeit – wie auch über die Tatsache, dass der Begriff „Hochkultur“ heute zunehmend als Kampfbegriff gegen die öffentlich geförderten Theater verwendet wird. Der Philosoph Robert Pfaller schlug daher eine andere Unterscheidung vor: „Pop“ (auf die Gegenwart bezogen) versus „Klassik“ (auf Langlebigkeit hin angelegt).

Die TagungsteilnehmerInnen diskutierten, dass das, was alle angeht, angesichts einer sich immer schneller ausdifferenzierenden Gesellschaft zwangsläufig eine Idealvorstellung bleiben müsse. Im Theater gehe es darum, Utopien zu entwickeln für eine Gesellschaft, die nicht nur auf Gemeinsamkeiten beruht, sondern die anerkennt, das auch völlig unterschiedliche Individuen gemeinsame Interessen haben und diese auch vertreten können. Gayle Tufts, Entertainerin, die zum Abschlusspodium geladen war, plädierte für den übergeordneten Begriff der „Menschlichkeit“, der auf der Bühne verhandelt werden solle und der alle angehe. Birgit Mandel, Professorin an der Universität Hildesheim, zitierte aus einem Interview mit Barrie Kosky, der darauf hinweist, dass die Deutschen sich noch immer schuldig fühlten, wenn sie gut unterhalten würden. Der Dramaturg Carl Hegemann verwies darauf, dass Theater und Pop heute nicht mehr voneinander zu trennen seien, dass Popularität jedoch kein Indiz für die Bedeutung von Theater sein könne. Mehr Mut zum Experiment, um herauszufinden, was vielleicht populär werden könnte, war eine im Verlauf der Konferenz häufig erhobene Forderung. Serien, Games, Graphic Novels usw. wurden als Impulsgeber für Form-Experimente und erweiterte Kommunikation mit dem Publikum/ Rezipienten vorgestellt und diskutiert. Ebenso wurde ein temporärer Writers‘ Room im Rahmen der Tagung im Praxistest erprobt. Gerfried Stocker, Leiter der Ars Electronica Linz, hob hervor, dass das Theater sowie andere Kulturinstitutionen angesichts der durch die digitalen Medien grundlegend veränderten Kommunikationsweisen ihre Strategien völlig umstellen müssten, um für die an Teilhabe gewöhnten kommenden Generationen attraktiv zu bleiben.

Auf der Jahreskonferenz wurde ein neuer Vorstand gewählt: Christian Holtzhauer (Weimar) wurde als Vorsitzender im Amt bestätigt, ebenso wie die Vorstandsmitglieder Natalie Driemeyer (Berlin), Uwe Gössel (Berlin) und Amelie Mallmann (Berlin). Birgit Lengers, Jörg Vorhaben und Jonas Zipf stellten sich nicht mehr zur Wahl. Neu gewählt wurden Kathrin Bieligk (Linz), Christa Hohmann (Darmstadt) und Harald Wolff (Aachen).

Lesen und Hören Sie auch den Bericht von Susanne Burkhardt für 'Fazit', Deutschlandradio Kultur
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