Konferenz
Nov 01 2020
2012: Hirn. Geld. Klima. Theater und Forschung
Die Jahreskonferenz der Dramaturgischen Gesellschaft 2012 findet vom 26. bis zum 29. April 2012 während des PAZZ-Festivals am Oldenburgischen Staatstheater statt.
Die künstlerische Beschäftigung mit wissenschaftlichen Themen erlebt seit einigen Jahren eine bemerkenswerte Konjunktur – und zwar nicht nur im Theater. Besondere Anziehungskraft scheint dabei von den Natur- und den so genannten Lebenswissenschaften sowie der Ökonomie auszugehen. Angesichts neuer Erkenntnisse etwa in der Hirnforschung, die unsere Selbstwahrnehmung als frei handelnde Individuen in Frage stellen, und im Hinblick auf ein undurchschaubares globales Finanzsystem oder den unausweichlich scheinenden Klimawandel ist der Wunsch, zu verstehen, was um uns herum geschieht, nur zu gut nachzuvollziehen.
Zahlreiche Theaterprojekte haben sich daher zum Ziel gesetzt, die Auswirkungen neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse auf den ureigensten Gegenstand des Theaters – den Menschen in seinen sozialen Beziehungen – zu untersuchen. Von diesem Interesse des Theaters können auch die Wissenschaften profitieren, eröffnen sich hier doch neuartige Wege, Forschungsergebnisse zu präsentieren, zu reflektieren und zu diskutieren. Kein Wunder also, dass Kultur- und Wissenschaftsbetrieb, die lange Zeit fein säuberlich voneinander getrennt waren, nun den Kontakt suchen, um gemeinsam neue Wege der Darstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse zu erfinden.
Viele Theaterprojekte und Inszenierungen, die wissenschaftliche Themen in den Mittelpunkt stellen, berichten von Forschungsarbeiten, begeben sich an Orte der Forschung oder verwenden Forschungsmethoden. Sie alle gründen auf Recherchearbeit, und nicht selten stellen sie in künstlerischer Hinsicht Experimente dar. Lässt sich jedoch bei diesen Projekten tatsächlich auch von künstlerischer Forschung sprechen, oder beschränkt sich die Kunst hier auf die Vermittlung von Forschungsergebnissen? Büßt die Kunst damit ihren Anspruch auf Autonomie ein?
Im Rahmen unserer Jahreskonferenz 2012 werden wir in Vorträgen und Workshops, auf Exkursionen an Orte wissenschaftlicher Forschung und während gemeinsamer Theaterbesuche genauer untersuchen, wie es um das Verhältnis von Theater und (wissenschaftlicher und künstlerischer) Forschung bestellt ist: Wie lassen sich wissenschaftliche Themen auf die Bühne bringen? Welche Übertragungsleistungen seitens der Theatermacher, aber auch des Publikums sind hierfür notwendig? Welche neuen Formate der Wissenspräsentation entstehen dabei? Was können Wissenschaften und Theater voneinander lernen? Wie lassen sich die Dramaturgien des Forschens beschreiben? Wie und wann werden künstlerische Prozesse selbst zu Forschungsprozessen - und wann wird Forschung künstlerisch? Welche Kriterien muss Theater als Forschung erfüllen? Wie lässt sich die besondere Qualität dieser Art von Forschung beschreiben, und worin besteht ihr Sinn?
Die öffentliche Jahreskonferenz 2012 der Dramaturgischen Gesellschaft findet in Zusammenarbeit mit dem Oldenburgischen Staatstheater während des internationalen Performance-Festivals PAZZ 2012 statt. Sie wird gefördert aus Mitteln der Kulturstiftung des Bundes und durch den Deutschen Bühnenverein sowie den Landesverband Nord des Deutschen Bühnenvereins.
Feb 10 2011
Impressionen der Jahreskonferenz in Freiburg
Für Sie zum Download:
ein pdf mit Bilder der Tagung und die Vorträge von Dirk Baecker, Ivo Kuyl, Martina Löw, Mark Terkessidis und Miriam Tscholl.
Jan 31 2011
Auf dem Weg zu einem interkulturellen Theater / Jahreskonferenz in Freiburg mit Rekordbeteiligung beendet
"Wer ist wir? Theater in der interkulturellen Gesellschaft". Unter dieser Fragestellung diskutierten über 230 Teilnehmer mit 40 Referenten vom 27. – 30. Januar 2011 auf Einladung des Theaters Freiburg und seiner Intendantin Barbara Mundel über die Aufgaben und Herausforderungen des Theaters in der sich dramatisch verändernden Gesellschaft. Ausgehend von der Beobachtung, dass die Vielfältigkeit der Einwanderungsgesellschaft sich noch zu wenig in den Programmen und Ensembles insbesondere der Stadttheater widerspiegelt, präsentierten und analysierten die Konferenzteilnehmer Strategien für eine interkulturelle Öffnung. Dabei wurde deutlich, dass dieser Öffnungsprozess sich vor allem in der künstlerischen Arbeit selbst vollziehen sowie als Kernaufgabe der Theater verstanden werden muss und nicht auf „Sonderprojekte“ oder „Vermittlungsarbeit“ beschränkt bleiben darf. Überholte Konzepte wie „Integration“ und „Leitkultur“ müssen durch neue kulturelle Leitbilder ersetzt werden, die auf der Anerkennung von Verschiedenheit, Barrierefreiheit und Chancengleichheit beruhen.
Der Soziologe Dirk Baecker bezeichnete es in seinem Eröffnungsvortrag als eine große Chance des Theaters, in einer von Globalisierung, Migration und Digitalisierung geprägten Gesellschaft die Funktion einer „Schule der Weltkultur“ zu übernehmen. Das Theater müsse lernen, die Auswirkungen dieser Prozesse auf die Bühne zu bringen. Zugleich könne es aber auch Erkenntnisse über diese Prozesse vermitteln und gleichsam als „Pausenhof“ den Austausch verschiedenster gesellschaftlicher Kräfte ermöglichen.
Um Chancengleichheit und Möglichkeiten zur Partizipation für die gesamte Gesellschaft zu erreichen, betonte der Autor Mark Terkessidis die Notwendigkeit, die Spielpläne, den Personalbestand und die Zusammensetzung des Publikums der Theater dahingehend zu überprüfen, ob und welche Bevölkerungsgruppen bisher ausgeschlossen werden. Terkessidis erteilte außerdem dem Begriff „Integration“ eine deutliche Absage, da es nicht darum gehe, die Gesellschaft zu homogenisieren, sondern vielmehr nach neuen Formen der Begegnung zu suchen.
Die Soziologin Martina Löw betonte die Bedeutung der Theater für die Identität der Städte, wenn es dem Theater gelingt, die konkreten Bedingungen und Herausforderungen der jeweiligen Stadtgesellschaft aufzugreifen und künstlerisch zu verarbeiten. Dem schloss sich der belgische Dramaturg Ivo Kuyl vom Königlich Flämischen Theater in Brüssel an. Er forderte die Theater auf, die jeweils spezifische Situation in ihrer eigenen Stadt genau zu untersuchen, die eigenen Strukturen radikal in Frage zu stellen und mit wechselnden Kuratoren statt Dramaturgen, Spezialisten statt Ensembles und Künstlern verschiedenster Herkunft und Disziplinen auf die verschiedenen städtischen Publikumsgruppen zuzugehen.
In neuen partizipativen Gesprächsformaten wie World Café, Tischgesprächen und einem Open Space diskutierten Dramaturgen, Regisseure und Studierende im Dialog mit Künstlern, Theoretikern und Politikern Modelle interkultureller Theaterarbeit. Sie forderten, bestehende Strukturen zu verflüssigen, um mit maßgeschneiderten Angeboten den Kunstauftrag für eine Gesellschaft im radikalen demographischen Wandel zu erfüllen. Kontrovers beurteilt wurden Quoten für interkulturelle Ensembles und Stoffe.
Beim traditionellen Empfang der Bühnenverleger wurde Wolfram Lotz vorgestellt. Lotz ist mit seinem Stück „Der große Marsch“ Gewinner des Kleist-Förderpreises für junge Dramatiker 2011, der von der Dramaturgischen Gesellschaft gemeinsam mit der Stadt Frankfurt / Oder und dem dortigen Kleist-Forum verliehen wird.
Unter dem Titel „Jenseits von Multi-Kulti und Leitkultur: Auf dem Weg zur interkulturellen Gesellschaft“ betonten in der Abschlussdiskussion am Sonntag die Leiterin des postmigrantischen Theaters „Ballhaus Naunynstrasse“ in Berlin Shermin Langhoff, die Kulturberaterin Tina Jerman und der Kulturtheoretiker Klaus Theweleit die Notwendigkeit, die gegenwärtige vielfältige Gesellschaft in unserem Land in ihrer Komplexität abzubilden, den literarischen Kanon auf seine Tauglichkeit für die Gegenwart hin zu überprüfen und unter Einbeziehung aller gesellschaftlichen Kräfte neue Geschichten und Formen des Theaters zu erfinden. Sie forderten die Politik dazu auf, die interkulturelle Öffnung explizit als Auftrag für die Kulturinstitutionen zu formulieren.
In der Mitgliederversammlung wurde der Stuttgarter Schauspieldramaturg und Projektleiter Christian Holtzhauer zum neuen Vorsitzenden der Dramaturgischen Gesellschaft gewählt. Peter Spuhler (designierter Generalintendant des Staatstheaters Karlsruhe) hatte sein Amt nach 13 Jahren Vorstandsarbeit abgegeben. Er wurde noch während der Konferenz zum Ehrenmitglied ernannt. Der neue Vorstand besteht aus der stellvertretenden Vorsitzenden Birgit Lengers (Deutsches Theater Berlin), Uwe Gössel (Berliner Festspiele), Jan Linders (Heidelberger Theater), Amelie Mallmann (Theater an der Parkaue Berlin), sowie den neu gewählten Mitgliedern Natalie Driemeyer (Stadttheater Bremerhaven) und Jörg Vorhaben (Oldenburgisches Staatstheater). Die dg verzeichnet mit über 100 neuen Mitgliedern auf nunmehr 580 eine Vergrößerung und Verjüngung, die ebenso Ausweis ihrer Relevanz ist wie der Rekordbesuch der Jahreskonferenz.
Die nächste Jahreskonferenz der Dramaturgischen Gesellschaft wird im April 2012 in Zusammenarbeit mit dem Oldenburgischen Staatstheater stattfinden.
Jan 27 2011
Jahreskonferenz 2011 Freiburg: TAGUNGSFRAGMENTE
In diesem Jahr nahmen erstmals auch acht Stipendiaten der dg:möglichmacher an der Tagung der DG teil.
Ihre Eindrücke, Thesen und Stichpunkte werden hier während der Tagung veröffentlicht und vermitteln einen
fragmentarischen Blick auf das Geschehen in Freiburg.
Neben den schriftlichen Notizen (siehe unten) gibt es hier auch Audioimpressionen, zusammengestellt von Ricarda Franzen. Es sprechen Mark Terkessidis, Dirk Baecker, Ivo Kuyl und Christian Holtzhauer.
Jan 09 2011
Tagung 2011: Wer ist WIR? Theater in der interkulturellen Gesellschaft

Unsere Partner
öffentliche Jahreskonferenz der Dramaturgischen Gesellschaft
vom 27. – 30. Januar 2011 in Freiburg
in Zusammenarbeit mit dem Theater Freiburg
Deutschland ist ein Einwanderungsland. An dieser Tatsache vermochten weder die unbefriedigende „Sarrazin-Debatte“ noch die unerwartete Wiederkehr des Begriffes „Leitkultur“, die die Themenfelder Einwanderung, Integration und Interkultur stärker denn je in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion gerückt haben, etwas zu ändern. Die Herstellung von Chancengleichheit und die Ermöglichung von Teilhabe am öffentlichen Leben für alle in diesem Land lebenden Menschen ist daher eine der größten Herausforderungen, vor die sich unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren gestellt sieht. Welche Aufgaben dabei auf den öffentlich geförderten Kulturbetrieb zukommen und wie die Kultur- und Kunstinstitutionen, insbesondere die Stadttheater, beschaffen sein sollten, um diesen Aufgaben aktiv gerecht zu werden, ist Thema der bevorstehenden dg-Jahreskonferenz 2011 in Freiburg.
Anmeldungen unter konferenz@dramaturgische-gesellschaft.de.
Die Teilnahme ist kostenlos für dg-Mitglieder. Auch während der Tagung können Sie der dg beitreten. Teilnahmegebühr für Nicht-Mitglieder 50€ / 25 € ermäßigt.
Hierunter können Sie den aktuellsten Stand des Konferenzprogramms, so wie eine Hotel-Liste downloaden. Diese Dokumente werdn bis zum Tagungsanfang regelmäßig aktualisiert! Eine Googlemap von Freiburg finden Sie unter
http://maps.google.com/maps/ms?ie=UTF&msa=0&msid=212086630533360808922.00049a9a6aab10322cf7d
